Menü

Milliarden-Verluste

04.07.2014

Horror-Jahr für unsere Banken

Müssen Sparer um ihr Geld zittern? Faule Kredite im Osten kosten uns Milliarden.

Milliarden-Verluste: Horror-Jahr für unsere Banken © TZ ÖSTERREICH/Müller

Horrormeldung für die Erste Group: Die Bank schockt mit einer saftigen Gewinnwarnung in Osteuropa.

Heuer wird die Erste bis zu 1,6 Milliarden Euro Verlust machen. Grund: faule Kredite im Osten, in Rumänien und Ungarn. Bis zu 2,4 Milliarden Euro dürften dort versickern.

Erste-Aktie stürzt ab
An der Börse fiel die Aktie am Freitag wie ein Stein, Anleger nahmen nach den Schock-Zahlen Reißaus: Die Erste büßte nach der Gewinnwarnung über 15 % ein und zog Wiens Leit­index ATX tief ins Minus.

Super-GAU in Ukraine
Die Bank Austria musste schon im März Alarm melden und fuhr wegen Mega-Abschreibungen in der Ukraine einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro ein – exakt so viel wie die Erste.

Muss jetzt Österreich, das Land der Sparer, um seine Banken zittern? Denn die schlechten Nachrichten reißen nicht ab:

Ungarn macht Politik auf Kosten unserer Banken
In Ungarn wurden unsere Banken schon vor Jahren gezwungen, Fremdkredite in die Landeswährung Forint zu tauschen – und mussten Milliarden in den Wind schießen.
Jetzt will der rechte Staatschef Viktor Orbán den schwer verschuldeten ungarischen Häuslbauern Kreditrückzahlungen ersparen – und zwar wieder einmal auf Kosten vor allem der österreichischen Banken (Raiffeisen International, Erste Group).

Treichl will bleiben
Trotz Mega-Verlusten und Polit-Druck: Erste-Chef Andreas Treichl will weiter in Ungarn und Rumänien bleiben. „Ohne Expansion nach Osteuropa gäbe es die heimischen Banken nicht mehr“, so Treichl gegenüber ÖSTERREICH.
 

IHS-Chef: "Bankenabgabe hätte ausgesetzt gehört"

ÖSTERREICH: Wie analysieren Sie die Verluste österreichischer Banken in Osteuropa?
Bernhard Felderer: Die Banken sind jetzt keineswegs gefährdet, weil sie viele Jahre in Osteuropa gut verdient haben. Verluste können passieren. Vielleicht machen die Banken nur zwei oder drei Jahre Verluste. Die Banken haben einige Engagements wie etwa in Ungarn zurückgezogen, weil sie das ja kommen gesehen haben.

ÖSTERREICH: Hat nicht auch die Politik eine Verantwortung?
Felderer: Die Politik erkennt nicht, dass Banken in schwierigen Phasen sind. Die Banken, die jahrelang für die österreichische Wirtschaft in Osteuropa eine treibende Kraft waren, brauchen eine Schonzeit. Die Politik kann die Bankenabgabe nicht jederzeit und immer verlangen. Ich meine, dass die Banken das Eigenkapital in so kurzer Zeit kaum auftreiben können, ohne gleichzeitig die Kreditvergabe schwieriger zu machen. Die Politik hätte die Bankenabgabe aussetzen können. Die Banken sind nicht die Verursacher der Krise.

ÖSTERREICH: Müssen sich die Österreicher jetzt Sorgen um ihr Geld machen?
Felderer: Private Einlagen sind bis 100.000 Euro durch ein EU-Abkommen versichert. Selbst wenn die Bank pleitegehen sollte, bekommt der Anleger das Geld zurück. Der Sparer wird aber mit geringen Zinsen rechnen müssen, weil die EZB die Zinsen noch einmal gesenkt hat.

ÖSTERREICH: Was raten Sie den Sparern?
Felderer: Im Moment ist es schwierig. Denn auch Aktien und Immobilien liegen derzeit sehr hoch.

Posten Sie Ihre Meinung

Anzeigen

<